Motivation und heutige Nutzung

2009 wurde ich anlässlich des jährlich stattfindenden winterlichen Schlossvergnügens vom Geschichtsvereins Benkhausen zum Frühstück auf das Schloss Benkhausen eingeladen und erhielt bei dieser Gelegenheit eine ausgiebige Schlossführung vom Keller bis zum Boden. Nach nunmehr 500 Jahren war das Gebäude in dieser Form und nach heutigen Maßstäben nicht mehr bewohnbar. So stand es bereits seit einiger Zeit leer. Trotz des historischen Alters des Schlosses befanden sich Außenmauern, Fundament und Dach jedoch in einem guten Zustand.

Bei dem anschließenden Spaziergang durch den breit angelegten Park mit Blick auf das imposante Schloss kam mir der Gedanke, ob das nicht eventuell ein Platz für unser geplantes Ausbildungs- und Schulungszentrum wäre. In den nächsten Wochen konnte ich auch meinen Sohn Armin, der für die Immobilien im Konzern zuständig ist, von dieser Idee überzeugen. Keine leichte Aufgabe – hatte er doch schon die Planung für den Neubau eines Schulungszentrums in mühevoller Kleinarbeit fertiggestellt. Doch nach einiger Überzeugungsarbeit war auch er schnell von der Idee begeistert, hier einen Unternehmensstandort für Seminare und Schulungen anzusiedeln.

Nachdem der Bürgermeister Heinrich Vieker sich über die Fakten vorabinformiert hatte, kamen die Verhandlungen mit dem Wittekindshof, die sich lange hinzogen, da ein relativ großes Gremium mit all den Folgewirkungen für die Nachbarschaft entscheiden musste. Schließlich waren auf dem Gesamtgelände noch einige Wohnhäuser und vor allen Dingen eine große Werkstatt der Diakonischen Stiftung Wittekindshof angesiedelt. Dies musste auseinandergedacht und ein Plan für die Zusammenarbeit, zum Beispiel in Bezug auf Heizung, Wegerechte etc. erarbeitet werden.

Im Herbst 2010 war es dann so weit und man war sich über den Kaufpreis einig. Letztendlich wurde das Schlossgebäude mit einem Euro bezahlt. Aber alles, was an Flächen und an nutzbaren Gebäuden noch zusätzlich vorhanden war, zum Beispiel die Werkstatt, wurde nach dem tatsächlichen Wert überschrieben. Der Anfang war gemacht.

Dass sich in der Zwischenzeit die gesamte Familie – meine Frau, die anderen Söhne und Enkeltöchter – ebenfalls für das Schloss als zukünftiges Schulungszentrum begeistert hat, spricht für die Einmaligkeit der Idee und den Zusammenhalt der Familie.

Rückblickend betrachtet war der Kauf durch alle Familienmitglieder eine eher emotionale Entscheidung, denn der Erhalt dieses Kulturschatzes für unsere Region lag uns allen sehr am Herzen. Darum haben wir auch alles Machbare unternommen, um den ursprünglichen Charakter des Schlosses zu erhalten und, wo es notwendig war, wiederherzustellen. Dies wird auch in der Fotodokumentation der Umbauphase deutlich.

Fachleute haben dann aus einer Vielzahl von Ideen – wie zum Beispiel den Glastrakt als verbindendes Element zwischen Herrenhaus und Maidenheim – konkrete Pläne erstellt und diese – übrigens auch in intensiver Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde – geprüft. Im Frühjahr 2011 fiel schließlich der Startschuss für die ersten Sanierungs- und Umbauarbeiten im Hauptgebäude, welches aufgrund zahlreicher Mängel vom Vorbesitzer Wittekindshof als Wohnraum schon lange aufgegeben war.

Zwischendurch haben sich immer wieder neue Ideen entwickelt: da ging es dann um die Gartengestaltung oder Vorschläge für eine Zimmergestaltung im Gästehaus. Alle Beteiligten haben wirklich toll zusammengearbeitet und auf das Ergebnis können wir – wie ich finde – sehr stolz sein.

Dass dabei die ursprünglich angedachte Investitionssumme immer wieder stark erweitert werden musste, liegt auf der Hand. Das gesamte Bauprojekt habe ich aus meinem Privatvermögen finanziert.

Was mich besonders freut, ist die sehr moderne und äußerst informative Präsentation unserer Automatensammlung „Deutsches Automatenmuseum“ hier in der einstigen Scheune auf Schloss Benkhausen. Mitte der 1980er Jahre erwarb mein Sohn Michael das erste Exponat: eine amerikanische Jukebox von 1948. Heute umfasst unsere Sammlung über 1.800 historische Raritäten aus aller Welt und aus mindestens zwei Jahrhunderten. Ich bin mir sicher, dass unser Museum, das ja ein Branchen- und letztendlich kein Firmenmuseum ist, auch viele Besucher von weit und fern begeistern wird.

Ebenso wie das Deutsche Automatenmuseum wird auch der neu gestaltete Schlosspark, der nach Vorlage eines englischen Gartens angelegt wurde, künftig öffentlich zugänglich sein. Besonders gelungen ist, wie ich finde, der große Pavillon im Zentrum der Parkanlage. Darüber hinaus freuen wir uns natürlich, dass wieder regelmäßig standesamtliche Trauungen auf Schloss Benkhausen stattfinden. Auch das Winterliche Schlossvergnügen oder die Benkhauser Kunstwoche sind uns wie eh und je als öffentliche Veranstaltungen jederzeit willkommen. Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, stehen nun auch über 300 neu gestaltete Parkplätze zur Verfügung.

Die historischen Räumlichkeiten, die mit viel Aufwand und Liebe zum Detail restauriert und modernisiert wurden, werden heute als Tagungs- und Weiterbildungszentrum für Firmen genutzt, vorwiegend durch die Gauselmann Gruppe. Aber bei der Lage und den Ausmaßen steht es außerdem auch für Sommer-Events und andere Gelegenheiten zur Verfügung.

Ich hoffe, Sie werden sich auf Schloss Benkhausen wohlfühlen und Ihren Aufenthalt bei uns genießen!


Ihr Paul Gauselmann